ALLTAGSTAUGLICHKEIT VON STOFFWINDELN

Ein Erfahrungsbericht einer geübten Stoffwindelmama (Antje N.) (nicht nur) vom Wickeltisch

In einem vorangegangen Blogbeitrag schrieb Leen von Fratzhosen bereits über Vorteile, Nachteile & Vorurteile von Stoffwindeln. Ich, Antje N., berichte nun davon, wie das in der Praxis bei uns zu Hause tatsächlich funktioniert und möchte entgegen dem Vorurteil „Du wirst mit dem Baby schon genug zu tun haben!“ erzählen.

Kurz vorab: Zum Thema Stoffwindeln kam ich durch ein Seminarangebot eines Familienzentrums in unserem Ort während der Schwangerschaft. Mit ein paar Vorurteilen im Kopf aber trotzdem offen für Neues besuchte ich dort einen „Stoffwindelworkshop“. Zu Fratzhosen kam ich dann im Anschluss, weil mir dieser Shop von der Stoffwindelberaterin empfohlen wurde.

Aber nun zu unserem Alltag mit den Stoffis und meinen Praxistipps aus knapp 2 Jahren.

1. Das zur Familie passende System finden.
2. Am Anfang nicht gleich aufgeben.
3. Genügend Windeln und Einlagen für einen entspannten Waschrhythmus
4. Windeln und Einlagen „mitwachsen“ lassen.

1. Das zur Familie passende System finden.

Zunächst hatte ich von der Stoffwindelberaterin ein großes Testpaket für 2 Wochen nach meinen Vorstellungen erhalten. Unglaublich, wie viele verschiedene Möglichkeiten von Wickelsysteme und Einlagen es gibt. Bei uns waren die Anforderungen möglichst „wascharm“ und einfach zu handhaben, damit auch der Papa und andere Bezugspersonen damit zurechtkommen.

So wurde es für uns ein All-in-3 System und fertige Einlagen ohne falten zu müssen. Das Praktische daran ist, dass die Außenwindel kaum gewechselt werden muss, da sie nur äußerst selten beschmutzt wird. Sie dient lediglich dazu, die Innenwindel zu halten. In der Regel wechselt man bei jedem Wickeln die Saugeinlage und ab und zu die Innenwindel, welche das Austreten der Ausscheidungen verhindert.

Nicht so wichtig war für uns hingegen das Kriterium, dass es möglichst schnell trocknen soll, da wir einen Balkon und auch in der Wohnung Platz zum Aufhängen haben. Wem es darin hingegen mangelt, sollte ggf. auf andere schnell trocknende Einlagen zurückgreifen, wie z.B. gefaltete Mullwindeln oder Prefolds mit Überhose.

Wer eine Handhabung analog wie Wegwerfwindeln haben möchte, für den könnten auch ein All-In-One-Windeln eine Lösung sein – praktisch aber mehr Wäsche.

Mein Tipp: Am Anfang die eigenen Anforderungen zusammenstellen und wenn möglich eine Stoffwindelberatung nutzen.

2. Am Anfang nicht gleich aufgeben.

Nun ist das Kind da, die Windeln liegen auch bereit. Den bekannten Spruch „Aller Anfang ist schwer“ können wohl alle frisch gebackenen Eltern bestätigen. Da heißt es manchmal Zähne zusammenbeißen, um sich im nächsten Moment wieder herzlich über den Nachwuchs zu freuen. Zurückgeben kann und will man sie ja doch nicht mehr…  Mit Stoffwindeln hingegen war die Versuchung schon da und auch die Möglichkeit vorhanden, alles rückgängig zu machen und die „einfachen“ Wegwerfwindeln zu nutzen. Doch etwas Durchhalten und Herumprobieren lohnt sich auch hier!

Auch wir hatten etliche Versuche mit ausgelaufenen Windeln und nassen Bodys. Trotzdem haben wir uns nicht entmutigen lassen und uns viele Tipps geholt: Von erfahrenen Stoffi-Eltern, von der Stoffwindel-Beraterin vor Ort und per E-Mail von Leen.

Irgendwann hatten wir den Dreh raus und mittlerweile klappt es (fast) immer ohne Überlaufen!

Wir haben uns am Anfang heran getastet:

  • zunächst Verwendung nur im sicheren Umfeld wie zu Hause
  • dann auch auf kurzen Ausflügen
  • schließlich bei Tagesausflügen und mittlerweile auch im Urlaub.

Und die Praxis zeigt, dass Stoffwindeln im Alltag überall funktionieren, wenn auch mit etwas Übung.

3. Genügend Windeln und Einlagen für einen entspannten Waschrhythmus

Nachdem die Erfahrung immer mehr wurde stellte ich fest, dass der Waschrhythmus mit meinen wenigen Einlagen zu stressig wurde. Gefühlt lief die Waschmaschine ständig nur mit Windeln. Also haben wir fleißig nachgekauft um nun nur noch aller 4-5 Tage zu waschen.

In der Zwischenzeit gehen wir wie folgt vor:

  • Kackerwindeln werden kurz mit der Hand ausgespült und kommen dann genau wie die Pullerwindeln auf den Balkon (Leine und/oder Windeltonne).
  • Dort dürfen sie auf ihre 60 Grad Wäsche warten, in die dann auch Handtücher zum Auffüllen der Maschine hinein kommen.
  • Vorab gibt’s eine Vorwäsche, bei der alle Rückstände der Windeln entfernt werden. Achtung: Nicht jede Maschine pumpt nach der Vorwäsche komplett das „Pipiwasser“ ab. Dann empfiehlt sich anstatt Vorwäsche ein extra Kurzprogramm vorher einzustellen.
  • Nach dem Hauptwaschgang lege ich einen „Intensivspülgang“ ein, der alle Waschmittelrückstände entfernt.
  • Getrocknet werden die Windeln auf der Leine (super selten im Trockner).
  • Und wenn wir mit Waschen mal zu spät dran waren kommen die Einlagen für den nächsten Tag über Nacht auf die Heizung

4. Windeln und Einlagen „mitwachsen“ lassen.

Wenn die Routine vorhanden ist (Anlegen, Waschen,…) wird man trotzdem nach einer Weile mal wieder auf Schwierigkeiten stoßen. Doch auch hier gibt es Lösungen! Wie bei Wegwerfwindeln die Größe gewechselt werden muss und ggf. auch nach einer Weile zu anderen Sorten gegriffen wird, sollten auch Stoffwindeln an den Bedarf des Kindes angepasst werden.

Im Alter von 1,5 Jahren wurde unser Kind zum „Pullerweltmeister“. Die Trinkmenge stieg, das Blasenvolumen wurde mehr, und so entleerte sich alles innerhalb von Sekunden in die Windel. Da konnten unsere bisherigen Einlagen nicht mehr standhalten. Also schnell bei Leen von Fratzhosen nach einem Tipp gefragt und auch sofort eine passende Empfehlung bekommen: Eine besonders schnell saugende Einlage als oberste Schicht verwenden. Daher stellten wir unsere Einlagenkombination um und nun klappt es.

Also: Nicht stur bei einem Konzept bleiben. Wenn etwas nicht mehr so gut klappt (Auslaufende Windeln, müffelnde Windeln,…), findet sich garantiert eine Lösung!

Fazit:

 

Wie sieht es nun aus mit dem Satz „Du wirst mit dem Baby schon genug zu tun haben!?”

Klar, haben wir im Alltag alle Hände voll zu tun. Aber da ist die Windelwäsche wirklich nur ein kleiner Teil der hinzugekommenen Aufgaben als Eltern. Mit etwas Übung sind Stoffwindeln ganz normaler Bestandteil unserer Familie geworden – genau wie Kinderlachen, Babynahrung, Krankheitsphasen, …

Und mal ehrlich, ein hübscher Stoffi-Po mit sooooo vielen tollen Motiven ist doch in Schönheit durch eine Wegwerf-Windel der Welt zu ersetzen, oder?

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